23. Februar 2012, 00:00 Uhr

Debatte über Gauck am Aschermittwoch

CSU hat mit Bundespräsidentenkandidatur „überhaupt keine Probleme“ / Scharfe Kritik an Merkels Umgang mit Wulff-Affäre

Berlin Der alte und der künftige Bundespräsident beschäftigen die Parteien am Aschermittwoch. In der Koalition sind die Wunden noch nicht verheilt, und die Opposition kritisiert die Kanzlerin wegen ihres Umgangs mit der Wulff-Affä re.

Joachim Gauck hat schon öfter Grundsätzliches gesagt – die Bürger erwarten das auch künftig von ihm. Foto: dpa Foto: dpa
Nach dem Koalitionskrach um die Kür des nächsten Bundespräsidenten bemühen sich die Regierungsparteien um Schadensbegrenzung. Die Debatte über inhaltliche Positionen Joachim Gaucks geht aber weiter. Gauck selbst wird an der Berliner Gedenkveranstaltung für die Opfer der Neonazi-Morde teilnehmen.

„Wir haben ja mit der Kandidatur von Herrn Gauck überhaupt keine Probleme, im Gegenteil, wir unterstützen das“, sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt (CSU) am Mittwoch im ZDF-„Morgenmagazin“. „Ich glaube, dass er ein guter Bundespräsident für Deutschland ist.“ Sein Kollege Patrick Döring von der FDP sagte: „Ich würde die Benennung um unser höchstes Amt im Staate nicht als Machtpoker bezeichnen.“

Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat sich in der Nacht zum Mittwoch in ein Berliner Krankenhaus begeben müssen. Wie zu erfahren war, soll es sich um eine Nierenkolik gehandelt haben.

SPD-Chef Sigmar Gabriel griff den zurückgetretenen Bundespräsidenten und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) scharf an. Merkel habe Leute in Amt und Würden gebracht wie Wulff, „der sich wie ein Amigo benimmt, der das Land sich selbst und der CDU zur Beute macht“, sagte Gabriel auf der Aschermittwochs-Kundgebung der SPD in Vilshofen.

Auch Grünen-Chefin Claudia Roth kritisierte die Bundesregierung wegen deren Umgang mit der Affäre Wulff. Beim Politischen Aschermittwoch in Landshut sagte sie, Merkel habe zu lange ihre schützende Hand über Wulff gehalten. Joachim Gauck könne dem Bundespräsidentenamt nun Würde zurückgeben.

In den Vortagen war Gauck wegen seines Privatlebens vereinzelt kritisiert worden. Er ist seit Jahren mit seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt zusammen. Nach den Worten von Gaucks Ehefrau gibt es keine Absprache zu einer möglichen Scheidung. Gerhild Gauck sagte der „Ostsee-Zeitung“: „Warum wird das jetzt so wichtig?“ Die Gesellschaft sei doch offen auch für andere Partnerschaften. „Guido Westerwelle ist Außenminister und wird von seinem Lebenspartner begleitet“, sagte sie. Der Theologe Friedrich Schorlemmer äußerte Bedenken gegen die Nominierung Gaucks. Kritik und Widerspruch gehörten nicht zu dessen Stärken, sagte Schorlemmer der „Leipziger Volkszeitung“: „Gauck ist von Gauck überzeugt.“

Zum Thema:

Zum Thema Die brandenburgischen Mitglieder der Bundesversammlung, die den neuen Bundespräsidenten wählen, sollen voraussichtlich am heutigen Donnerstag während der Landtagssitzung bestimmt werden. Brandenburg entsendet 20 Wahlmänner und -frauen. Auf die SPD entfallen sieben, auf die Linke sechs, die CDU fünf sowie auf FDP und Bündnis 90/Die Grünen je ein Mitglied. Aus der Lausitz sind dies voraussichtlich Bildungsministerin Martina Münch (SPD), Innenminister Dietmar Woidke (SPD) und die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Sylvia Lehmann. Sachsen stellt voraussichtlich 33 Delegierte, die Anfang März bestimmt werden.
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Erstellt am: 23. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 23. Februar 2012, 08:52 Uhr
Autor: dpa/sm

dpa/sm

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