18. Februar 2012, 00:00 Uhr

„Wir sind keine Lobbyisten“

Interview mit Marcus Wenig, Chef der Brandenburg-Vertretung bei der EU in Brüssel

Berlin Die 13 Mitarbeiter der Brandenburg-Vertretung in Brüssel „wohnen“ in einem Haus mit der Abordnung der Kanarischen Inseln. „Mit Berlin wäre besser gewesen. Aber die Finanzen haben das verhindert“, erklärt Marcus Wenig, Chef der Brandenburg-Vertretung, im RUNDSCHAU-Interview.

Marcus Wenig:Netzwerke sind das A und O.
Heißt das, die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg geht bei der EU getrennte Wege?

Keinesfalls, die Berliner Vertretung ist acht Minuten Fußweg von uns entfernt. Wir sind bei den meisten Aktivitäten in einem Boot. Zuletzt haben wir den neuen Flughafen BER gemeinsam präsentiert – mit hohem europäischem Interesse. Hier in Brüssel gibt es ein Berlin-Brandenburg schon.

Würden Sie das Wirken der Landesvertretung als politische Lobbyarbeit bezeichnen?

Ganz im Gegenteil: Wir vertreten keine Verbandsinteressen. Dafür gibt es in Brüssel 3000 Lobbyisten-Büros mit 15 000 Mitarbeitern. Unsere Mitarbeiter agieren dagegen immer mit einem klaren politischen Auftrag der Landesregierung. Um die Gefechtslage hier zu verdeutlichen: Wir treten gegen die Lobbyisten und gegen 300 Regionen in Europa an. Deshalb heißt das Zauberwort für uns: Netzwerke. Und die müssen über Parteigrenzen funktionieren, um etwas bewegen zu können.

Was würden Sie als den größten Erfolg der Brandenburger in Brüssel bezeichnen?

Da gibt es viele, die in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen wurden. Was Netzwerke erreichen können, zeigt der Erfolg mit 18 europäischen Regionen, als der Süden Brandenburgs aus der EU-Höchstförderung herausfallen sollte. Da haben wir es gemeinsam geschafft, den Fördersatz von 75:25 – Fördermittel zu Eigenmittel – zu erhalten. Das war für den Landessüden extrem wichtig.

Unterstreichen Sie die These: Wer sich bei der EU nicht auskennt, verschenkt Millionen?

Auf jeden Fall. Das ist heute aber auch allseits bekannt. Wer allerdings auf Fördermittel qualifiziert zugreifen will, muss sich langfristig damit beschäftigen. Deshalb hatten wir gerade die Wissenschafts- und Hochschulspitze Brandenburgs mit Ministerin Sabine Kunst in unserem Haus, um zwei Tage lang über das neue Forschungs-Rahmenprogramm „Horizont 2020“, das ab 2014 gilt, zu informieren. Immerhin stellt die EU hier 80 Milliarden Euro bereit. Von dem „Kuchen“ will Brandenburg natürlich möglichst viel abschneiden.

Mit Marcus Wenig

sprach Christian Taubert

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Erstellt am: 18. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 20. Februar 2012, 13:12 Uhr
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