21. Februar 2012, 00:00 Uhr

Des Königs Lieblingspferd – Friedrich-Schau zeigt berühmten Condé

Rückkehr ins Potsdamer Neue Palais als restauriertes Skelett / Ausstellungsmacher bieten anderen Zugang zum Preußen-Herrscher

Potsdam Friedrich II. liebte Tiere mehr als Menschen. Neben seinen Hunden wurde er im Park von Sanssouci begraben. Für sein Lieblingspferd sorgte er über den Tod hinaus. Jetzt kehrt es ins Neue Palais zurück: als Exponat in einer Ausstellung.

Präparatorin Janet Weigner begutachtet Condés Skelett. Foto: dpa Foto: dpa
Im Leben war das Beste nur gut genug für ihn: Dem Lieblingspferd von Preußenkönig Friedrich II. (1712-1786) setzte niemand Grenzen. Hatte Condé Appetit auf frische Gräser von den Wiesen aus dem Schlosspark Sanssouci, bediente er sich. Kostbare Blüten waren ebenso wenig sicher vor ihm, wie sorgsam herangezogenes Obst und Gemüse aus den königlichen Gärten. 208 Jahre nach seinem Tod zieht das Pferd wieder in das Potsdamer Neue Palais ein – als Skelett und wichtiges Exponat in der millionenteuren Ausstellung „Friederisiko“ anlässlich des 300. Geburtstages des Preußenkönigs.

Alfred Hagemann, Kurator bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, erläutert den Hintersinn der Präsentation der edlen Knochen: Damit solle eine wichtige Facette von Friedrichs Persönlichkeit illus triert werden. „Der Menschenhasser, der nur seine Tiere vergötterte, steht am Ende seines Lebens allein da“, erläutert er. Statt Menschen aus Fleisch und Blut bleibe nur ein Knochengerüst.

Zurzeit noch in der FU Berlin

Derzeit steht das kostbare Skelett noch im Institut für Veterinär-Anatomie des Fachbereichs Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin. Kürzlich erst wurde es restauriert: der Zahn der Zeit hatte auch an den wertvollen Knochen genagt, sie zum Teil unansehnlich gemacht. Vor gut 200 Jahren wandten Präparatoren Methoden an, die dem heutigen wissenschaftlichen Standard nicht mehr entsprechen.

Für Hana Hünigen, Dozentin für Veterinäranatomie, ist Condé auch heute immer noch ein wichtiges Anschauungsobjekt. „Aber dabei gilt das strikte Gebot: Anfassen verboten“, sagt sie. Das mit Hilfe eines Stahl- und Drahtgeflechtes in die anatomisch richtige Form gebrachte Skelett sei viel zu fragil und zu kostbar. Immerhin sei ein mehr als 200 Jahre altes Knochengerüst eines Pferdes aus einst königlichem Besitz nahezu einzigartig.

Fast alle 215 Knochen sind noch vorhanden, wie Hünigen erläutert. Auch heute erzählen sie dem Fachmann viel über das Leben des Fliegenschimmel-Wallachs, der im für Pferde fast biblischen Alter von 38 Jahren starb. „Die kaum abgenutzten Zähne zeigen: er wurde gut ernährt, ihm stand zartes Futter zur Verfügung“, sagt sie. „An den Zähnen wäre sein wahres Alter nicht erkennbar gewesen.“ Sein Knochengerüst war zu Lebzeiten fast tiptop, da er erst zugeritten wurde, als er schon ausgewachsen war. Anzeichen für Überbeanspruchung: Fehlanzeige.

Nach dem Tod von Friedrich lebte Condé noch geruhsam weitere 18 Jahre und genoss ein fürstliches Gnadenbrot. Als das Tier starb, kam es in die neugegründete „Tierarzneyschule“ in der Anatomie. immerhin war es das Lieblingspferd des Alten Fritz. Das Fell wurde gegerbt und ausgestopft. Bis zur Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war es im Deutschen Museum für Geschichte zu sehen. Das Skelett steht seit der Wiedervereinigung und Fusion der veterinärmedizinischen Fakultäten im Institut für Veterinär-Anatomie der Freien Universität.

Die geschäftsführende Direktorin des Instituts, Prof. Johanna Plendl, konnte sich gerade erst über die Rückkehr von Condé nach umfangreicher Restaurierung freuen. Nun macht sich das wertvolle Stück in Kürze auf die Reise nach Potsdam. „Die Vorbereitungen sind schon angelaufen“, sagt sie. Eine Spezialfirma mit Erfahrung für so fragile Fracht ist beauftragt worden. Der Vierbeiner wird komplett transportiert – in einem großen Behältnis.

Letzter Ausritt auf Condé

Wenn Condé im Neuen Palais dann als Publikumsmagnet seinen Job getan hat, findet er seinen endgültigen Platz im Foyer des Instituts. Dort ist er unter Glas zu bewundern und Anschauungsobjekt für weitere Generationen künftiger Veterinäre. Diese studieren dann nicht nur die Anatomie, sondern erfahren Details aus dem Leben eines Königs. Auf dem Rücken von Condé machte der Alte Fritz immerhin am 4. Juli 1786 seinen letzten Ausritt. Wenig später starb der Monarch.
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Erstellt am: 21. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 21. Februar 2012, 13:03 Uhr
Autor: Von Gudrun Janicke

Von Gudrun Janicke

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