Professoren schreiben offenen Brief gegen Uni-Neugründung
Professoren der BTU Cottbus wenden sich in offenem Brief gegen Pläne einer Uni-Neugründung / Vereinigung der Unternehmensverbände begrüßt Konzept
Cottbus I n der Professorenschaft der Cottbuser Uni brodelt es. In einem offenen Brief an die Landesregierung machte sich ein Teil der Professoren am Dienstag seinem Ärger Luft. Die Hochschullehrer kritisieren die Pläne von Wissenschaftsministerin Sabine Kunst (parteilos), 2013/14 eine Energie-Uni aus BTU und Hochschule Lausitz (FH) zu grün den.
In ihrer Entrüstung über die Pläne der Ministerin hatten 35 Professoren am gestrigen Dienstag kurzfristig den offenen Brief unterzeichnet – wären nicht Semesterferien, hätten noch mehr unterschrieben, sind sie sich sicher. Denn die Wissenschaftler haben auch die Bedenken, dass sich über Jahre eher mit den Strukturen beschäftigt werde als mit den Inhalten. Denn Ministerin Kunst plant bereits zum Wintersemester 2013/14, Studenten in die neue Universität zu immatrikulieren. „Die geplante Fusion wird über Jahre hinweg die Kräfte für die aufreibende Neuorganisation binden. (. . .) Zum Schaden des Landes wird sie deshalb negative Auswirkungen auf die Studierendenzahlen, die Gewinnung erfolgreicher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und die Drittmitteleinwerbung haben“, heißt es in dem offenen Brief, und weiter: „Die angestrebte Hochschulfusion ist ein Experiment zur falschen Zeit am falschen Ort! Sie unterbricht das Wachstum der noch jungen BTU in den vergangenen Jahren.“ Die Ministerin habe ohne überzeugende Begründung die Empfehlung der Lausitzkommission übergangen, beide Hochschulen vom Typ her zu erhalten. Zudem sei ein Gesamthochschulmodell in noch keinem Bundesland richtig erfolgreich gewesen, fügt Prof. Christoph Egbers vom Lehrstuhl Aerodynamik und Strömungslehre hinzu.
Einen vernünftigen Dialog fordert Hermann Borghorst, Vorsitzender des Fördervereins der BTU Cottbus und Vorstandsvorsitzender der Wirtschaftsinitiative Lausitz: „Ich war sehr überrascht vom Vorschlag der Ministerin – und ich fand die Art und Weise, wie die Wissenschaftler vor vollendete Tatsachen gestellt wurden, keinen akzeptablen Umgangsstil.“ Er habe zwar immer verlangt, dass beide Hochschulen enger zusammenrücken, aber beide unter ein Dach zu stülpen, halte er für nicht richtig, so Borghorst.
Die Vereinigung der Unternehmensverbände in Berlin und Brandenburg (UVB) hatte dagegen am Montag das Konzept der Ministerin begrüßt. „Die neue Energie-Universität ist genau der richtige Weg, um die Kompetenzen der BTU und Hochschule Lausitz (FH) sinnvoll zu bündeln und die Energiewirtschaft in der Region zu stärken“, sagte UVB-Hauptgeschäftsführer und Mitglied des Landeshochschulrates Brandenburg, Christian Amsinck.
Der offene Brief, der
Bericht der Lausitzkommission
und alles zum Thema unter www.lr-online.de/energieuni

Jüngste Kommentare (7)
Was lehrt uns denn die praktizierte Marktwirtschaft über Fusionen?
von Dracula
Nach der Fusion kommt der Börsengang und etwas später?
Richtig: Die Pleite nebst neuer "Kommissionen".
Die Rechnung an den Steuerzahler, nebenbei - fällt gar nicht mehr auf.
UVB vertritt in erster Linie
von AusderGegend
Unternehmen aus dem Raum Berlin, anders kann diese Einschätzung der Lage nicht erklärt werden. Der Vorsitzende der WIL sieht das schon realitistischer.
Der UVB Vorsitzende dürfte sich in diesem Bereich nicht äußern, hat er doch weder Ahnung noch das Recht in diese Belange einzugreifen. Aus wirtschaftlicher Sicht (mithin Fachkräftemangel) kann eine Fusion nicht begrüßt werden. Vor allem durch bereits geworbene Kooperationspartner bei BTU und HSL besteht die Gefahr eines Rückschritt sollte die Fusion in Kraft treten. Das unterstreicht der Artikel ganz gut.
Einschätzungsvermögen
von prolausi
Antwort auf folgenden Beitrag von AusderGegend am 15.02.2012 10:32 Uhr
Wie es um die Kompetenz und das Einschätzungsvermögen des Herrn Amsinck steht, hat er selbst nachhaltig Anfang der 90er Jahre beim BDI - damals bzgl. des Zustandes der DDR-Wirtschaft - nachgewiesen ...
Hmm.
von Thomas_M
Bei aller Kritik am Vorhaben der Ministerin und der noch notwendigen Diskussionen um die konkrete Umsetzung und Ausgestaltung sollte man sich doch nicht nicht zu sehr am Namensvorschlag "Energie-Universität" festbeißen. Die Universität will ihre Bezeichnung behalten. Die Fachhochschule hat dagegen ihren Namen jüngst erst verkauft und sich von der FHL zur HL gewandelt. Ob nun der Name eines bald drittklassigen Fußballvereins Pate stehen muss, ist mit Sicherheit diskussionswürdig, sollte aber nicht der Hauptstreitpunkt sein, sondern vielmehr der Inhalt der Verpackung. Und ansonsten lassen sich doch mit dem Kürzel EU so herrliche Akronyme für allerlei Forschungsvorhaben basteln. Womöglich stößt man dabei aber öfter an markenrechtliche Probleme. Auch die Verwechselbarkeit mit der EUV Frankfurt/Oder sollte beachtet werden. Wie man aus der Bibliothek, sorry IKMZ, hört, hat man bisher eher mit Bücherfehllieferungen von oder für die Fachhochschule Brandenburg/Havel zu tun.
Kein "Kunst"stück - Schärferes Nachdenken erforderlich
von prolausi
Antwort auf folgenden Beitrag von Thomas_M am 15.02.2012 09:50 Uhr
Das ganze zeugt wieder einmal von hoher Potsdamer-Arroganz, insbesondere das Hinwegsetzen über 30 Experten und das Nichteinbeziehen der TU-Professoren.
Schon allein der gedankliche Ansatz für die Begriffswahl "Energie"-Universität zeigt das inhaltlch mit diesem "Begriff" verbundene Gedankenfeld und das fachlich-intelektuelle Wirwarr im Gesamtdenken der Ministerin (parteilos, hilflos).
Eine U n i versität, eine u n i v e r s i t ä r e (universitas, das Allumfassende) Einrichtung, setzt sich bekanntlich aus mehreren Lehr- und Forschungsbereichen zusammen.(Natürlich kann und muss der Thematik "Energietechnologien" hier künftig viel mehr Beachtung geschenkt werden. Vieles wurde tatsächlich versäumt.
Richtig.
von Thomas_M
Antwort auf folgenden Beitrag von prolausi am 15.02.2012 12:47 Uhr
Du sagst es Prolausi. Genau diese Bedeutung des Wortes "Universität" scheint der doppelt promovierten Professorin und Wissenschaftsministerin nicht ganz klar zu sein, bei dem, was sie vorhat. Und was die Kooperationen der BTU angeht, so sind die gerade im kleinen Fachbereich Physik, der ja auf der Streichliste steht, an Vielfältigkeit nicht zu überbieten und es ergeben sich die die Kontakte zu Forschungsinstituten in der Region beste Chancen für die Absolventen. Externe Lehrbeauftrage bringen einen anderen Blick hinein, sind Spezialisten auf ihren Arbeitsfeldern. Für die Studenten bieten sich hervorragende Möglichkeiten für anwendungsbezogene Abschlussarbeiten und eine Einstellung danach. Dieses Modell ist weitaus besser als nachher mit dem Master oder Dr.-Titel den Elfenbeinturm der Uniforschung zu verlassen und im realen (Arbeits-)Leben sich nicht zurechtzufinden.
das stimmt schon
von AusderGegend
Antwort auf folgenden Beitrag von prolausi am 15.02.2012 12:47 Uhr
aber auch das konzept der (B)TU-Cottbus war doch toll. Wie gesagt, die Hochschulrankings gaben uns recht.

nebenbei nochmal: Energie steigt nich ab!