Friedliche Proteste zeigen Wirkung
Tausende demonstrierten in Dresden erneut gegen Rechtsextremismus / Nazis sagen Aufmarsch ab
Dresden Tausende haben am Wochenende in Dresden erneut gegen Rechtsextremismus und Gewalt protestiert. 2000 Menschen versammelten sich am Samstag bei einer Kundgebung auf dem Schlossplatz, bis zu 10 000 Teilnehmer zogen bei einer Großdemonstration durch die Stadt. Die Proteste verliefen friedlich, lediglich am Ende der Demonstration kam es zu einer Auseinandersetzung der Polizei mit Autonomen.
Die Kundgebung war von der Stadt und einer „Arbeitsgruppe 13. Februar“ geplant worden. Erstmals hatten alle Parteien von CDU bis Linke dazu mobilisiert. Der Leiter der AG und Chef der Landeszentrale für politische Bildung, Frank Richter, wertete den Tag als Erfolg. Die Kundgebung habe „einen entspannten und friedlichen Charakter“ gehabt, sagte Richter.
Bereits am 13. Februar, dem 67. Jahrestag der zerstörerischen Bombenangriffe auf Dresden durch die Alliierten, hatten Tausende Dresdner gegen Rechtsextremismus protestiert und an die Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnert.
Neonazis versuchen seit Jahren, den 13. Februar mit Aufmärschen für ihre Zwecke zu missbrauchen. Ein Aufmarsch von 1600 Rechtsextremen am vergangenen Montag wurde wegen des großen Protests vorzeitig beendet. Eine für Samstag geplante Demonstration sagten die Neonazis ab.
Die Teilnehmer der Demonstrationen feierten den 13. und 18. Februar als Erfolg. Der friedliche Gegenprotest habe sich gelohnt, sagte der Sprecher des Bündnisses „Dresden Nazifrei“, Stefan Thiele. Europas größter alljährlicher Neonazi-Aufmarsch sei Geschichte.
Bei einer Demonstration des Bündnisses protestierten am Samstag Neonazi-Gegner aus vielen Teilen Deutschlands, darunter aus Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Nordrhein-Westfalen, gegen Rechtsextremismus. Das Bündnis zählte 10 000 Demonstranten, die Polizei sprach von 6500.
Vor einem Jahr war es noch zu schweren Ausschreitungen gekommen, bei denen mehr als 100 Polizisten verletzt wurden. Diesmal blieb der Protest weitgehend friedlich. Am Ende der Demonstration attackierten einzelne linke Demonstranten die Polizei, die sich mit Reizgas gegen die Flaschenwerfer wehrte. Sieben Polizisten wurden durch Flaschen und Böller verletzt. Sie erlitten Prellungen oder Knalltraumata, wie ein Polizeisprecher am Sonntag sagte. Fünf Demons tranten wurden festgenommen und 23 Strafverfahren wegen mutmaßlicher gefährlicher Körperverletzung, Verstößen gegen das Versammlungsgesetz und Sachbeschädigung eingeleitet.
Insgesamt zogen Polizei und Bündnis aber ein positives Fazit. Der Einsatz der 1600 Beamten sei im Vergleich zum vergangenen Jahr gut verlaufen, sagte ein Polizeisprecher. Und Bündnis-Sprecher Thiele lobte die deeskalierende Strategie der Polize i.
Zum Thema:
Zum Thema Sachsens Innenministerium hat erstmals Zahlen zu allen Straftaten bei den gewaltsamen Protesten gegen Neonazis am 19. Februar 2011 in Dresden aufgelistet. Demnach wurden bei Aufzügen, Versammlungen und Blockaden 750 Straftaten registriert, geht aus einer Anfrage der Linken im Landtag hervor. In den meisten Fällen waren es Verstöße gegen das Versammlungsgesetz (484). Darunter fallen die Blockaden genehmigter Neonazi-Aufmärsche. In 62 Fällen ermittelten die Behörden wegen Sachbeschädigungen, 55 Mal wegen Körperverletzung. Auch Verstöße gegen das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz (neun) waren dabei. Nach Angaben des Innenministeriums wurde in neun Fällen Anklage erhoben und in 74 Ermittlungsverfahren ein Antrag auf Strafbefehl gestellt. 140 Verfahren gegen bekannte Tatverdächtige wurden eingestellt.
Zum Thema Sachsens Innenministerium hat erstmals Zahlen zu allen Straftaten bei den gewaltsamen Protesten gegen Neonazis am 19. Februar 2011 in Dresden aufgelistet. Demnach wurden bei Aufzügen, Versammlungen und Blockaden 750 Straftaten registriert, geht aus einer Anfrage der Linken im Landtag hervor. In den meisten Fällen waren es Verstöße gegen das Versammlungsgesetz (484). Darunter fallen die Blockaden genehmigter Neonazi-Aufmärsche. In 62 Fällen ermittelten die Behörden wegen Sachbeschädigungen, 55 Mal wegen Körperverletzung. Auch Verstöße gegen das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz (neun) waren dabei. Nach Angaben des Innenministeriums wurde in neun Fällen Anklage erhoben und in 74 Ermittlungsverfahren ein Antrag auf Strafbefehl gestellt. 140 Verfahren gegen bekannte Tatverdächtige wurden eingestellt.
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Artikel-Aktualisierungen:
Erstellt am: 20. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 20. Februar 2012, 13:14 Uhr
Autor: Von Gregor Klaudius und Hendrik Lasch

Jüngste Kommentare (1)
Also die einzige Wirkung
von Altanschliesser
die ich am Samstag am frühen Nachmittag in Dresden festgestellt habe, war ein riesiges Verkehrschaos im Stadtzentrum. Von Demonstranten keine Spur, lediglich Polizei im Großaufgebot an jeder Ecke. Die Zahlen der Demo-Teilnehmer sind meines Erachtens maßlos übertrieben, und wenn man bedenkt, dass da die Leute nach Medienberichten bundesweit zusammengekarrt wurden, waren da noch weniger Dresdner dabei als vor einer Woche.