Kunst als Brücke – Museen lenken Besucher über die Grenze
Netzwerk der Euroregion Neiße bemüht sich um länderübergreifende Ausstellungen / Tschechisches Liberec bietet größte Galerie der Region
Zittau Im Dreiländereck bei Zittau liegt eine Fahrt nach Tschechien nahe. Einkaufen, Tanken oder Wintersport ist dort für viele Deutsche längst zur Gewohnheit geworden. Nun sollen sie verstärkt auch andere Seiten des Nachbarlandes entdecken.
Nur drei Kilometer liegt Hradek von Zittau (Landkreis Görlitz) entfernt. In einem frisch sanierten Fachwerkhaus am Marktplatz der tschechischen Stadt ist die Koordinierungsstelle für das museale Netzwerk in der Euroregion Neiße untergebracht. Auch Touristinformation, Galerie, Kinosaal und Museum sind dort unter einem Dach vereint. Ganz gezielt haben sich die Mitarbeiter auf Besucher aus dem Nachbarland eingestellt. Im Touristbüro bekommen Gäste auf Deutsch fundiert Auskunft. Konsequent zweisprachig ist die Dauerausstellung beschriftet, die seit Januar offen steht. Ausgehend von der rätselhaften Geschichte um einen „Vampir“ namens Tobias beleuchtet sie mit regionalen Bezügen das Leben in der Zeit vom 13. bis 15. Jahrhundert.
Für Zittau geworben
Die Städtischen Museen Zittau haben für die Präsentation in Hradek nicht nur einen Silbermünzenschatz geliehen. Direktor Marius Winzeler wirkte auch intensiv an der Ausstellungskonzeption mit. Sein Haus ist deutscher Kooperationspartner für das tschechische Projekt. „Es hat uns eine große Nähe gebracht“, sagt der Kunsthistoriker. Ihm liegt der Austausch über die Grenze hinweg generell sehr am Herzen. Im Kunstmuseum der tschechischen Stadt Olomouc (Olmütz) waren erst kürzlich etwa 200 Stücke aus dem Zittauer Fundus zu sehen. Die Ausstellung mit rund 3500 Besuchern habe erfolgreich für die Stadt geworben, betont Winzeler.
Vom Donnerstag an präsentiert das ostsächsische Museum „Zittauer Schätze“ in der gut 25 Kilometer entfernten Stadt Liberec (Reichenberg). Etwa 75 besonders schöne und wichtige Objekte reisten für die erste Sonderschau in der Oblastni galerie (Regionalgalerie) nach Tschechien, darunter Gemälde und Holzskulpturen. Es sollten vor allem Dinge sein, an denen gemeinsame Geschichte deutlich wird. Winzeler sieht zahlreiche historische Anknüpfungspunkte. Als legendär etwa gilt der Besuch des böhmischen Königs Ottokar II. in Zittau, der 1255 auf seinem Pferd den Ort umrundete und damit die Stadtgrenze festlegte.
Schau tschechischer Moderne
Die 1953 gegründete Regionalgalerie in Liberec ist das größte Kunstmuseum in der Grenzregion – untergebracht in einer schönen Villa, die im Stil der Neorenaissance erbaut ist. Das Haus besitzt eine der besten Kollektionen tschechischer Malerei, Plastik und Grafik der Moderne. All das sind für Winzeler gute Gründe, Brücken zu bauen und Besucher zu lenken. Der 41-Jährige übernahm 2008 die Leitung des Museums im früheren Zittauer Franziskanerkloster. „Ich habe den Kontakt nach Liberec gesucht, als ich anfing“, erzählt der gebürtige Schweizer, der inzwischen intensiv Tschechisch lernt.
Für 2011 hatten das Zittauer Museum und die Regionalgalerie in Liberec erstmals ein gemeinsames Veranstaltungsprogramm herausgegeben, um gegenseitig aufeinander aufmerksam zu machen. Nun gehen die beiden Einrichtungen mit Ausstellungen am jeweils anderen Ort den nächsten Schritt. Im Zittauer Franziskanerkloster sind vom 24. März an „Alte Meister aus Liberec“ zu sehen. Eine Auswahl von 150 bis 170 Blättern gibt dann Einblick in die Sammlung, die der Arzt Anton Randa aus Gablonz (Jablonec) 1918 stiftete. Sie umfasst mehr als 6300 Blätter, die in Liberec verwahrt werden.
Grafiken von mehr als 400 Künstlern, darunter Dürer, Cranach und Rembrandt, gehören zu der bisher kaum bekannten Privatsammlung. Die Ausstellung in Zittau soll sie einem größeren Publikum im Grenzgebiet zugänglich machen, sagt Winzeler.

Jüngste Kommentare
Zu diesem Artikel sind noch keine Beiträge vorhanden