22. Februar 2012, 00:00 Uhr

Neues Heim für Asylbewerber in Kamenz

400 Plätze in einstiger Polizeischule / Experten sehen Größe der Einrichtung skeptisch

Kamenz Sachsens Ausländerbeauftragter Martin Gillo hat zurückhaltend auf die Eröffnung eines neuen Asylbewerberheims in Kamenz reagiert. Mit 400 Plätzen übertrifft die am gestrigen Dienstag übergebene Einrichtung die Empfehlung Gillos von maximal bis zu 100 Plätzen recht deutlich.

Die Entscheidung des Landkreises sei aber nun einmal getroffen worden. „Nach der Innenarchitektur müssen wir jetzt an die soziale Architektur denken“, appellierte Gillo. Er fügte hinzu: „Wir sollten versuchen, das Beste aus der Situation zu machen.“

Das neue Heim diente einst als Polizeischule und war für knapp 3,7 Millionen Euro umgebaut worden. Es ersetzt die alte Kamenzer Unterkunft für Asylbewerber, die beim vorigen „Heim-TÜV“ des Ausländerbeauftragten als „unangemessen“ eingestuft wurde. Gillo sprach von einem interessanten gesellschaftlichen Experiment. „Wenn wir die Bewohner sich selbst überlassen, dann wird das Heim ein Gefängnis ohne Schlüssel und Wärter“, warnte er. Mit qualifizierter Sozialarbeit könne hingegen eine „internationale Dorfgemeinschaft“ entstehen. Wichtig dafür wäre etwa, den Bewohnern Möglichkeiten zum Erlernen der deutschen Sprache anzubieten.

Die Größenordnung des Kamenzer Heims wird auch von anderen Experten kritisch gesehen. Die Grünen hatten Gemeinschaftsunterkünfte unlängst komplett abgelehnt und eine Unterbringung Betroffener in normalen Wohnungen gefordert. Grünen-Parlamentarierin Elke Herrmann machte nach einer Sitzung des Innenausschusses im Januar geltend, dass es genügend freie Wohnungen in Sachsen gebe. „Das ist förderlich für die Integration und Akzeptanz. Asylbewerberheime in baufälligen Kasernen fernab von Infrastruktur und Integrationsgelegenheiten müssen der Vergangenheit angehören.“
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Erstellt am: 22. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 22. Februar 2012, 13:25 Uhr
Autor: dpa/bl

dpa/bl

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