23. Februar 2012, 00:00 Uhr

Sachsen gedenkt der Neonazi-Opfer

In Zwickau stehen Busse, Bahnen und Förderbänder still / Bundesweit Schweigeminute um 12 Uhr

Zwickau Trauerbeflaggung in ganz Sachsen – und in Zwickau werden sogar Busse, Bahnen und Förderbänder stillstehen. Zum Gedenken an die Neonazi-Terroropfer gibt es am heutigen Donnerstag bundesweit um 12 Uhr eine Schweigeminute.

Gemeinsam gegen Rechtsextremismus – Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) und Zwickaus OB Pia Findeiß (SPD). Foto: dpa Foto: dpa
Zu einer Schweigeminute für die Opfer der von Neonazis verübten Mordserie haben auch in Sachsen Gewerkschaften, Verbände und Kommunen aufgerufen. In der Stadt Zwickau, in der die mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe jahrelang untergetaucht waren, werden am heutigen Donnerstag um 12 Uhr die Bussen und Bahnen stillstehen. Im VW-Werk sollen die Bänder anhalten, zudem hat die Stadtverwaltung Bürger ins Rathaus eingeladen, wo die zentrale Gedenkveranstaltung in Berlin mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ab 10.15 Uhr per TV-Live-Übertragung verfolgt werden kann.

Den Neonazi-Terroristen werden Morde an einer deutschen Polizistin und an neun Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft vorgeworfen. „Die Erwartungen der rund 70 Angehörigen der Mordopfer an dieses Gedenken sind hoch“, sagte die Opfer-Beauftragte der Bundesregierung, Barbara John. Um die Opfer nicht zu vergessen, schlug John die Errichtung einer Gedenktafel vor. Die einstige Berliner Ausländerbeauftragte hofft, dass die fremdenfeindlichen Mordtaten mit der Berliner Gedenkveranstaltung nicht „abgehakt“ seien. „Das wäre eine weitere Demütigung der Opfer und ihrer Angehörigen“, warnte John.

Die Zwickauer Delegation in Berlin wird von Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) angeführt. „Es geht um ein Zeichen, dass sich das ganze Land Rechtsterroristen in den Weg stellt“, sagte Findeiß am Mittwoch. Zugleich bedauerte sie, dass sich der Begriff „Zwickauer Zelle“ als Bezeichnung für die Rechtsterroristen durchgesetzt hat. Er gehe „schon immer noch ins Mark“ und habe sich „inzwischen so sehr eingeschliffen, dass ihn jeder verwendet. Und das ist für Zwickau nicht gut“, stellte Find eiß fest. Sie ist bereits um 8.30 Uhr zu einem Frühstück in der sächsischen Landesvertretung eingeladen.

Wie in Zwickau wurden etwa auch die städtischen Mitarbeiter in Aue und Leipzig aufgefordert, die Arbeit für eine Minute ruhen zu lassen. Auf dem Leipziger Marktplatz wollen sich rund 100 Betriebsräte zum stillen Gedenken versammeln. Die Stadt Chemnitz stellt ihren Angestellten das symbolische Innehalten frei. Am Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen werden alle Mitarbeiter ihre Arbeit für eine Minute unterbrechen. Wie im Nachbarland Thüringen hat auch Sachsen Trauerbeflaggung angeordnet.
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Erstellt am: 23. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 23. Februar 2012, 13:40 Uhr
Autor: dpa/bl

dpa/bl

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