23. Februar 2012, 00:00 Uhr

Dem Leiden nicht ausweichen

Wendisch-deutscher Gottesdienst zur Eröffnung der Passionsausstellung in Jänschwalde

Jänschwalde. Die kleine Kirche in Jänschwalde war bis auf den letzten Platz gefüllt, obwohl der Mittwoch Nachmittag kein typischer Gottesdiensttermin ist.

„Hinsehen!“, empfahl am gestrigen Mittwoch Pfarrer Ingolf Kschenker beim Gottesdienst im Rahmen der Ausstellungs-Eröffnung von Siegfried Kohlschmidt. Foto: Hilscher Foto: Hilscher
Am gestrigen Aschermittwoch aber eröffnete der Cottbuser Kunstsammler und Historiker Siegfried Kohlschmidt eine Ausstellung zu Passionskunst aus fünf Jahrhunderten. Die Erinnerung an die Passion, den Leidensweg Christi, beginnt mit dem Aschermittwoch und endet in der Osternacht. Passender hätten also Ort und Zeit nicht gewählt sein können, um die privaten Schätze Kohlschmidts einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Pfarrer Ingolf Kschenker hielt eine bewegende wendisch-deutsche Andacht – und holte das oft so ferne Thema der Passion erschreckend deutlich in die erfahrbare Welt. Kschenker zitierte aus den berühmten Erinnerungen von Eli Wiesel. Erzählte die Geschichte eines kleinen Jungen, der vor den Augen einiger Tausend KZ-Insassen hingerichtet wurde. Die damals gestellte Frage: „Wo ist Gott?“ konnte Wiesel tatsächlich beantworten – ebenso, wie es Künstler über Jahrhunderte hinweg immer wieder versucht haben, wenn sie den Leidensweg Christi verarbeiteten, der in der Frage mündete: Oh mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“ Siegfried Kohlschmidt, regelmäßig als Unterstützer des Jänschwalder Heimatmuseums tätig, war sichtlich bewegt, als er seine umfangreiche Sammlung von Lithografien eröffnen durfte. „Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal in einer Kirche sprechen würde“, sagte Kohlschmidt lächelnd.

Ein Satz, den die knapp hundert, zum großen Teil sorbisch-wendischen, Gottesdienstbesucher nicht unterstreichen wollten. Für sie gehört das Tragen der Tracht ebenso zum gewohnten Leben wie das Singen der wendischen Kirchenlieder.

Um so neugieriger wurden die Jänschwalder, als es schließlich hinüber ins Museum ging. Zu Lithografien von Dürer und Dix, von unbekannten Künstlern und von so berühmten Meistern wie Da Vinci. „Man muss“, so forderte Pfarrer Ingolf Kschenker, „man muss den Anblick des Leidens aushalten.“

Hinsehen, empfahl er, und er meinte damit ebenso das Bild von Christus am Kreuz wie das Elend in der Welt – und die Passion in der Kunst auf fünf Jahrhunderten.



„Die Passion – christliche Kunst“, zu sehen bis 13. April. Wendisch-deutsches Heimatmuseum, Kirchstraße 1, Jänschwalde.
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Erstellt am: 23. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 23. Februar 2012, 09:29 Uhr
Autor: Andrea Hilscher

Andrea Hilscher

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