23. Februar 2012, 00:00 Uhr

In Finsterwalde spielt man gern Mundharmonika

Egon Peter vom Mundharmonika-Trio “Klingendes Kleeblatt erinnert sich

Seit im Jahr 2008 in der Supertalent-Show der Mundharmonikaspieler Michael Hirte als Sieger hervorging, ist das kleine Musikinstrument wieder interessant geworden. Das kann auch die Mundharmonikafabrik C. A. Seydel in Klingenthal durch gestiegene Umsatzzahlen bestätigen. Früher galt die Mundharmonika als Volksinstrument und war sehr verbreitet und beliebt. Auch Finsterwalde hatte viele Freunde des Instruments. Egon Peter, letzter Überlebender des Finsterwalder Mundharmonika-Trios „Klingendes Kleeblatt“, blickt zurück.

Das Mundharmonikatrio aus Finsterwalde mit Karl Aßmann (v.l.), Egon Peter und Helmut Nichtewitz. Foto: privat Foto: privat
Als ich zehn Jahre alt war, schenkte mir mein Vater eine Mundharmonika. Erst viel später, als der Krieg zu Ende war und mein Vater wieder heimgekehrt, erfuhr ich von ihm, dass er in einem Mundharmonika-Orchester Mitglied war. Dieses bestand aus 16 Männern der Finsterwalder Maschinenfabrik FIMAG, die sich 1938 zusammenfanden und auf diatonischen Mundharmonikas zur Freude der Belegschaft zu Betriebsveranstaltungen musizierten. Lehrer Lothar Eisner war der Übungsleiter und man spielte Volks- und Unterhaltungslieder. Aber 1939/40 zerfiel die Instrumentalgruppe durch die Einberufung der Männer zum Krieg.

Beste junge Talente

1954 gründete sich aus einem Gesangsterzett der Firma Kjellberg ein Mundharmonika-Trio „Das Klingende Kleeblatt“ mit Karl Aßmann, Helmut Nichtewitz und mir. Als Laien erwarben wir uns durch die Teilnahme an den Klingenthaler Harmonika-Tagen große Aufmerksamkeit. Es folgten Rundfunkaufhahmen beim Sender Cottbus und beim Berliner Rundfunk. Auch die Konzert- und Gastspieldirektion verpflichtete uns zu Varieteveranstaltungen mit Berufskünstlern, weil beim Wettbewerb der „Jungen Talente“ das Trio als Bestes ausgezeichnet wurde. So folgten auch auf Betreiben des „Zentralhauses für Volkskunst“ in Leipzig Auslandstourneen in die Mongolei und nach Polen. Es folgten auch zwei Fernsehveranstaltungen, jedoch löste sich das Trio durch berufliche Veränderungen 1965 auf.

Es gab 1957 ein zweites Mundharmonika-Trio, das dem Ensemble des Betriebes „Feintuch" angeschlossen war. Dieses Trio mit Peter Matthäus, Georg Schmeißer und Monika Sachers hat auch zu den Klingenthaler Harmonika-Tagen an Aufmerksamkeit gewonnen und erwarb sich ebenfalls große Anerkennung beim Wettbewerb der „Jungen Talente“. Und so spielten die drei nicht nur im „Feintuch“- Ensemble, sondern auch separat zur Ferienlagerbetreuung in Sachsen, zum Spreewaldfest in Lübbenau und in vielen anderen Orten der DDR volkstümliche Weisen und konzertante Unterhaltungsmusik.

Mundharmonika in der Schule

Lehrer Paul Troschke wandte sich 1962 an das „Klingende Kleeblatt“ mit der Idee, seiner Schulklasse das Mundharmonikaspiel zu lehren. Die drei „Kleeblätter“ übernahmen diese Aufgabe und übten mit den Kindern zu den Pioniernachmittagen. Im Dezember 1963 gelang auch ein Auftritt im „Haus der Freundschaft“.

1963 fanden sich elf Personen im Kreiskulturhaus zu einer Interessengemeinschaft „Mundharmonika“ zusammen. Es wurde wöchentlich eine Übungsstunde gehalten – wieder mit Unterstützung des „Klingenden Kleeblatts“. Aber durch nicht mehr nachvollziehbare Gründe löste sich die Gemeinschaft 1964 auf.

Überhaupt verlor sich in den 1960er- Jahren das Interesse an der Mundharmonika wegen des Einzugs eines neuen Musikstils, der für die Mundharmonika nicht geeignet erschien. Für Rock und Blues und Beat gab es andere Instrumente. Aber Michael Hirte sei Dank,k dass die Mundharmonika nicht vergessen ist.

Zum Thema:

Finsterwalde hatte mit dem „Klingenden Kleeblatt“ von 1955 bis 1965 ein bekanntes Mundharmonika-Trio. In den zehn Jahren hatten Egon Peter, Karl Aßmann und Helmut Nichtewitz mehr als 300 Auftritte. Sie tourten 1960 durch die Mongolei und machten die Mundharmonika auch dort bekannt. Der Heimatverein und das Heimatmuseum Finsterwalde erinnern noch heute an das Trio.
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Erstellt am: 23. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 23. Februar 2012, 09:47 Uhr
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