23. Februar 2012, 00:00 Uhr

Fußballerinnen dribbeln Skepsis vom Platz

Spielgemeinschaft Krauschwitz/Gablenz spielt gegen Vorurteile im Frauenfußball an

Krauschwitz Können Frauen genauso gut Fußball spielen wie Männer? Die Sportlerinnen der Spielgemeinschaft Krauschwitz/Gablenz dribbeln vielleicht nicht so schnell wie Podolski und Co. Aber sie sind auf dem Platz genauso leidenschaftlich und versessen auf den Sieg – rote Karten inklusive.

Trainer Torsten Nicko strahlt. Da sitzen sie um ihn geschart, seine Zöglinge, und haben es geschafft: Die Damen der Spielgemeinschaft (SpG) Krauschwitz/Gablenz haben sich am 22. Januar dieses Jahres ungeschlagen zu Hallenkreismeisterinnen hochgedribbelt. Dabei hatte Nicko sie erst im Februar 2011 als Trainer übernommen – und war einst durchaus skeptisch gegenüber Frauen am Fußball.

„Ich konnte mir das gar nicht vorstellen, Damen zu trainieren“, gibt er zu. „Ich wusste einfach nicht, mit welcher Härte, Intensität, Ausdauer man da rangehen kann.“ Ab 2010 stand er, zunächst als Assistent des damaligen Trainers, trotzdem vor 22 Spielerinnen zwischen 17 und 55 Jahren. Nervös. „Das würde sich nicht jeder Mann zutrauen, so einen Weiberhaufen“, sagt Heike Petrick. Die Stürmerin – oder auch „Zerstörerin“, wie der Trainer sie nennt – grinst frech und schüttelt ihre Locken.

Heike Petrick
Was sich leider nach wie vor einige Männer trauten, sei die Pflege von Vorurteilen gegenüber Frauen auf dem Platz. „Und das sind meist Leute, die selber total unsportlich sind“, sagt Petrick. Sie rümpft die Nase. Sportler hingegen akzeptierten die Damen am Ball meist problemlos. Obwohl die Herren definitiv schneller spielten, ein besseres Spielverständnis mit auf den Platz brächten.

Torsten Nicko
Partien unter Frauen bewertet Trainer Nicko trotzdem in mancher Hinsicht als komplexer. „Schiris pfeifen zum Beispiel sehr ungern bei den Damen“, sagt er. Es sei oft schwierig zu erkennen, ob ein Foul im Spiel gewesen sei. Manch eine Frau fühle sich zudem sofort persönlich angegriffen und schimpfe rigoros drauf los, wenn sie zurückgepfiffen werde. „Hast du schon mal hingeguckt, wie so ein Ball überhaupt aussieht?“, macht Nicko eine solche Szene nach und kichert.

Viele solcher starken Charaktere als Trainer zusammen zu bringen, ist eine der Herausforderungen für Torsten Nicko. Eine weitere ist die Abwechslung beim Training: „Bei Frauen kannst du nicht holzen, immer dasselbe fordern. Sonst verlieren sie ganz schnell die Lust.“ Offenbar hat er mittlerweile die richtige Mischung aus Spielfreude und Disziplin gefunden. Die Damen um ihn herum jedenfalls bringen kein kritisches Wort über die Lippen.

Vielmehr ärgern sie sich, wenn sie auch nur ein einziges Training verpassen. So wie Elisabeth Keller, Mittelfeldspielerin, die einen dick verbundenen Daumen hochhält. „Küchenunfall“, sagt sie und verzieht den Mund. Der nächste Termin auf dem Platz fällt für sie aus. Dabei ist Fußball ein wichtiger Teil ihres Lebens. „Sonst kreist man immer nur um Beruf und Familie.“ In der Mannschaft kann sie ihre Leidenschaft für Sport ausleben, abschalten – und auf tiefe Freundschaften zählen.

Denn die Spielerinnen verausgaben sich nicht nur auf dem Platz für gemeinsame Erfolge. Sie fahren zusammen Schlittschuh, gehen zu Spielen des FCE oder von Dynamo Dresden, feiern Hochzeiten, Geburten, Siege.

Einen Triumph wollen die Damen auch beim nächsten Turnier am Sonntag einspielen. Betreuer Nicko weiß jetzt schon, dass er dabei aufgeregter sein wird als die Frauen. „Wie immer“, sagt er und ballt die Fäuste, als stünde er schon am Rand des Platzes und feuere seine Spielerinnen an. „Ich bin dann so ner vös.“ Einmal habe er schon am Spielfeld gekniet und wollte sich vor Nervengeflatter in einen Wasserbottich stellen. Aber dann habe er gar keinen Grund dazu gehabt. Seine Mädels schossen sich einfach treffsicher zum Sieg.



Meisterhaft: die siegreichen Frauen der Spielgemeinschaft Krauschwitz/Gablenz. Foto: Verein Foto: Verein
Am Sonntag, 26. Februar, steht die SpG Krauschwitz/Gablenz wieder auf dem Platz. Ab 14 Uhr spielt sie in Bad Muskau beim 16. Hallenmasters gegen zehn Mannschaften aus Brandenburg und Sachsen.

 

Zum Thema:
Die SpG Krauschwitz/Gablenz trainiert ein Mal wöchentlich. Im Winter finden die Termine am Donnerstag in Bad Muskau von 18.30 Uhr bis 20 Uhr statt, im Sommer am Mittwoch in Krauschwitz von 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr. Neuzugänge sind auch ohne Vorerfahrung herzlich zum Probetraining eingeladen.Am Sonntag, 4. März, tritt die SpG Krauschwitz/Gablenz ab 10.30 Uhr im Nachholpunktspiel der Kreisliga gegen den VfB Weißwasser 1909 an. www.fsvgablenz96-nsvkrauschwitz.de
 
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Erstellt am: 23. Februar 2012, 00:00 Uhr
Geändert am: 07. Mai 2012, 11:40 Uhr
Autor: Von Anna Müller-Heidelberg

Von Anna Müller-Heidelberg

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